Sie malt (Rampe 4/25)
Farben und Malerei bilden einen eigenen Schwerpunkt innerhalb dieser Ausgabe: Farben im Sommer, Farben an der Wand und Sie malt thematisieren auf jeweils sehr leise Art sehr verschiedene Zurichtungen und

Ich habe mich
in mich verwandelt
von Augenblick zu Augenblick
In Stücke zersplittert
auf dem Wortweg
Mutter Sprache
setzt mich zusammen
Menschenmosaik
— R. Ausländer

Das Schreiben hatte lange keinen Platz in meinem Leben oder besser gesagt, ich habe ihm zu wenig Platz gegeben. Das Interesse an Literatur bestimmte aber meinen Kurs, den ich neben Beruf und Familie mit aller Kraft zu halten versuchte. Immer wieder musste ich davon abweichen.
In einer persönlichen Krise, die sich gesundheitlich manifestierte, konnte ich mich plötzlich nicht mehr bewegen. Nichts ging mehr. Ich musste mir die Frage stellen, was aus mir geworden, wo ich hingekommen war.
Wo war das Kind in mir? Die Studentin? Die junge Frau? Die Leserin? Die Lehrerin? Die Mutter? Die Ehefrau? Die Freundin? Die Tochter? Die Reisende? Die Gärtnerin? Die Gastgeberin? Die Schreibende?
Wenn nichts mehr geht, dann geht, wenn man Glück hat: das Lesen, das Schreiben, das Schreien, das Schweigen, das Nachdenken, das Sprechen über.
und
irgendwann:
das
aufstehen
Und so stand ich eines Tages auf, blickte von meinem Schreibtisch auf den Fluss, sah die Wasservögel vor meinem Fenster auffliegen und wusste, dass ich ein Schreibzimmer bauen würde. Es sollte das viel zitierte Zimmer für mich allein, für die Literatur und für meine Gäste werden.
In diesem Schreibzimmer findet man alles, was ich in meinem Leben (lieben) gelernt habe.
Es ist da zum Schreiben. Zum Lesen. Zum Lernen. Zum Denken. Zum Sprechen. Zum Lachen.
Zum Weinen. Zum Begreifen. Zum Betrachten. Zum Tanzen. Zum Atmen. Zum Lieben.
Das Schreibzimmer ist gebaut, das Schreibzimmer ist offen.
Hier wohnen meine Sprache und ich.
Das Schreibzimmer bin ich.
Willkommen!
in meiner Welt.
Ulrike





„A room for one’s own“ — Virginia Woolf
geboren am 23. April 1973,
verträumte Vielleserin, dicke Brille, Wald&Flusskind,
in einer berufsbildenden Schule Jahre und Texte versäumt,
Germanistikstudium in Wien, als Studentin und später
am liebsten in Frankreich unterwegs,
geheiratet, ein Haus umgebaut
und viele Bäume gepflanzt,
drei Töchter geboren.
AutorInnen, die mir die Augen geöffnet haben und die mich begleiten: I. Bachmann, E. Jelinek, M. Haushofer, A. Mitgutsch, Th. Bernhard, P. Handke. Ch. Lavant, Ch. Busta, F. Mayröcker, R. Ausländer, P. Celan und viele andere
Schreiben ist bisweilen ein Weg mit vielen Gabelungen und Umwegen.
Es braucht ein bisschen Mut, sich dafür zu entscheiden.
Aber der Schreibweg führt immer weiter.
Man kann ihn allein gehen, jedoch meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es schöner ist, ein Stück gemeinsam zu gehen.
Ich denke, dass jeder Mensch ein erzählendes Wesen ist.
Alter, Geschlecht, Beruf, Qualifikationen oder Vorkenntnisse sind in meinem Schreibzimmer nicht von Bedeutung.
Eine Schreibwerkstatt ist keine Therapie, aber sie kann Entwicklungen und Entscheidungen beeinflussen. Eine Schreibwerkstatt ändert Schreib- und Sichtweisen.
Ich freue mich, wenn ich dich auf deinem Schreibweg ein Stück begleiten darf, egal wo du stehst.
In meinem Schreibzimmer
bleibe ich : Schreibende.
Fragende. Lernende.
Lesende. Reisende.
Gastgeberin.
Die Schwarzföhre schaut beim Fenster herein,
und wir schauen hinaus auf den Fluss.
Draußen singen laut die Vögel,
summt leise
die Stadt.
Drinnen kratzen Stifte auf Papier,
klirren Gläser, duftet es
nach Kaffee.
Schreibst du.
Liest du.
Hören wir uns zu.
alles ist
eine frage
der
sprache.
— i. Bachmann