Du bist wach wie die Wildgänse auf der Insel, liegst in der Dunkelheit, denkst:
Könnte ich kreischen. Das Schreien der Wasservögel: Winterende.
Am Anfang nur ein einzelner Schrei, er dringt über den Fluss.
Die anderen Schreie stimmen ein.
So einen Schrei hast du nie gelernt. Vieles hast du gehört, du hast es gesehen
und du hast es dir abgeschaut. Du hast es dir gemerkt und du hast es vergessen,
nur den Schmerzlaut konnte niemand dir vormachen.
Das Kreischen, das Schreien, das Flattern.
So laut, so wütend wie die Wasservögel,
die ihre Brutplätze verteidigen.
Eine weitere Nacht, die nicht zum Schlafen gemacht ist, nicht heute, nicht für dich.
Ausgestreckt liegst du da und gleichzeitig gekrümmt.
Diese Krümmung gehört dir ganz.
Die Haut über Sehnen und Muskeln gespannt.
Dein Fleisch und dein Blut. So liegst du,
bis es hell wird. Wer ist
dieser Körper.
Der letzte Wintertag, die Katze am Fenster, ihr Vogelblick.
Das übrig gebliebene Blatt vom vergangenen Jahr.
Die verschwommene Leerstelle zwischen
Himmel und Meer.
Niedrigwasser
im März.
Der blaue Faden in deiner Nadel und das Weiß der Sternmagnolie.
Ein Wort zu wenig und eine Frage zu viel. Die Silberlinde
dort am Ufer, sie wirft keinen Schatten.
Vor deinem Fenster wird heute ein schwarzer Bus wenden.
Er will zu der Wiese, auf der einmal Schafe unter Bäumen lagen.
Er wird vor ihrer Tür halten, wird ihren Körper holen.
Draußen: endlich Regen.
Und du bleibst ruhig und du kreischst nicht, schreist nicht.
Alle Tränen sammelst du in Fridas Brunnen, sprengst damit die Sommerblumen.
Ihr Körper wird in diesen Bus verladen, aber sie steht noch in deinem Garten
und hackt Äste. Und deine Erinnerung lügt, wenn du denkst, du
hast ihr kein Leid getan.
Lass den Regen endlich aufhören.
Lass die Wasserstände wieder fallen.
Lass mich in meinem Haus.
Ihre Gebete wurden nie erhört, aber sie wurde nicht müde zu beten.
Ihr letzter Atemzug, ein Kreuzzeichen. Und du liegst, bist unbegabt zu beten,
unbegabt zu gehen: aus deinen Nächten, deinen Schmerzen, deinen Versäumnissen.
Von dieser Straße, der Wiese ohne Schafe, dem Waldrand mit den Leberblümchen.
Von den Wörtern, die dort wurzeln. Du könntest losgehen, aber du bleibst.
Streichst im Traum über roten Samt, die Schatulle: wieder leer.
Du öffnest das Fenster. Zwei Wildgänse landen am Wasser, bald fliegen sie wieder auf.
Und du wirst auch heuer Rosmarin pflanzen, mitten in diese Kälte hinein.
Und sie ist einfach gegangen und sie wird nie mehr sagen:
Du bist ja ein Narr. Närrin,
sagte sie nie.



