Das sprechende Haus
Es war einmal ein Haus, es stand im Zentrum eines Bergdorfes und hörte tagtäglich Geschichten, die von einem Mund zu einem anderen Ohr geleitet wurden. Es sammelte sie.
Eines Tages, genauer gesagt, dienstags, kam ein kleines Mädchen vorbei. Schwarz umhüllt kam sie auf das Haus zu und setzte sich in die Schaukel, die im Garten hing. Sie kam vom Begräbnis ihrer Großeltern. Still trauerte es. Es war die Erbin des Hauses und es gehörte ihm. Es wusste jedoch nicht, was es mit einem Haus anfangen sollte, wenn doch seine Großeltern tot waren. Es sehnte sich nach Omas guter Sachertorte und Opas Geschichten.
Und plötzlich begann das Haus zu sprechen. Einfach so. Und es erzählte dem Mädchen Geschichten, fast so gut wie der Großvater sie erzählt hatte. Die Geschichten handelten davon, wie das Haus gebaut worden war und von den Menschen, die vorbeikamen. So saß das Mädchen lauschend in seiner Schaukel und kam oft her. Das Haus tröstete sie und half ihr und die Eltern des Mädchens freuten sich über den Trost und die Weisheit des Hauses.
So vergingen die Jahre und als das Mädchen als alte Großmutter glücklich starb, erbte es die Enkelin, der es nicht anders erging. Vielleicht steht das Haus immer noch, denn es verfällt erst, wenn alle Geschichten erzählt sind und das dürfte noch dauern.
Autorin: Matilda Schauflinger (5. Schulstufe)









