I.
in der au: abbrüche
abgetauchtes
rot: auge
in der au: schuppen
auf besonnten steinen
fisch: blut
in der au: stechendes
grün der blattspitzen
nessel und natter
schneeglöckchen, wer danach sucht
in der au rollen die sommeräpfel des großvaters
führen alle wege ins unterholz
pfeift das maßband, sagt man
zu den mädchen:
sei still
in der au kommt das wasser
wie das amen
im gebet
in der au: alles beim alten
felder und
söhne
bist du nicht fortgelaufen
durch alle altarme geschwommen
gewaschen mit allen wassern: getauft
hast du dich nicht fortgeschrieben
in fremden städten, an den rändern
von flüssen und meeren
aber sitzt in diesem baum dort
nicht dein vater, oder ist es
ein kauz
und steht dir nicht jede nacht
wieder das wasser
bis ans herz
es gibt schönere orte
am morgen wartet die freundin
sie sagt: schön ist es in der au
jede au ist schrecklich
sagst du
II.
jetzt bin ich zwischen die häuser, zwischen die zeilen geraten, jetzt spiele ich
das zwischenspiel: zwischen uns: eingespieltes: du, der königin kind
und ich verlier jede nacht : einen schuh
wie soll ich sicher sein: zwischen häusern und bäumen: wie man sich bettet
was willst du hören: so viele bäume, denke ich: äpfel&birnen
kinder&jahre: jetzt sehe ich vor lauter bäumen
jetzt stehe ich schön da, stehe ich: schief
du bist wie ausgewechselt, sagst du: ein wechselbäumchen, wechsel-
bälgchen, noch eines, sage ich, es sitzt am fenster: zählt vögel
zählt worte, wolken: eine vogelinsel ist das
eine vogelstimme: vogelsprache
ein nest ist das
jetzt bin ich zwischen die häuser, zwischen die bäume, jetzt sehe ich
vor lauter bäumen: und sitzt nicht in diesem baum dort
sieben mal hab ich hineingerufen
jetzt bist du verrückt geworden, sagst du
hast die rosen geschnitten
frost kommt
nichts kommt mehr, sage ich
schreibe: schnee
III.
würden wir klagen, wer öffnete uns die tür
tausende jahre jagte man uns über den hof
man gab uns namen, rief uns zu kind zu stall
hierzulande treffen die steine nicht mehr
wir legten die tücher unserer mütter ab
und die sprache unserer väter
wir liefen
wir legten feuer, wir schürten es auf freiem feld
wir froren, wir forderten nichts
menschenunmögliches
wir sind ein leeres blatt, wir drehen, wir wenden uns
unsere worte haben kein gewicht
wir trotzigen töchter
wir weinen nicht

