Land unter

erscheint in der Rampe 2/2026 “Landleben”

I.

 

in der au: abbrüche 

abgetauchtes

rot: auge

 

in der au: schuppen 

auf besonnten steinen

fisch: blut

 

in der au: stechendes 

grün der blattspitzen

nessel und natter

 

schneeglöckchen, wer danach sucht 

 

in der au rollen die sommeräpfel des großvaters

führen alle wege ins unterholz

pfeift das maßband, sagt man 

zu den mädchen: 

sei still 

 

in der au kommt das wasser

wie das amen 

im gebet

 

in der au: alles beim alten

felder und 

söhne

 

bist du nicht fortgelaufen

durch alle altarme geschwommen

gewaschen mit allen wassern: getauft

 

hast du dich nicht fortgeschrieben

in fremden städten, an den rändern 

von flüssen und meeren

 

aber sitzt in diesem baum dort

nicht dein vater, oder ist es 

ein kauz

 

und steht dir nicht jede nacht  

wieder das wasser 

bis ans herz

 

es gibt schönere orte

 

am morgen wartet die freundin

sie sagt: schön ist es in der au

jede au ist schrecklich

sagst du

 

 

II. 

 

jetzt bin ich zwischen die häuser, zwischen die zeilen geraten, jetzt spiele ich

das zwischenspiel: zwischen uns: eingespieltes: du, der königin kind 

und ich verlier jede nacht : einen schuh

 

wie soll ich sicher sein: zwischen häusern und bäumen: wie man sich bettet

was willst du hören: so viele bäume, denke ich: äpfel&birnen

kinder&jahre: jetzt sehe ich vor lauter bäumen

jetzt stehe ich schön da, stehe ich: schief 

 

du bist wie ausgewechselt, sagst du: ein wechselbäumchen, wechsel-

bälgchen, noch eines, sage ich, es sitzt am fenster: zählt vögel

zählt worte, wolken: eine vogelinsel ist das 

eine vogelstimme: vogelsprache

ein nest ist das

 

jetzt bin ich zwischen die häuser, zwischen die bäume, jetzt sehe ich 

vor lauter bäumen: und sitzt nicht in diesem baum dort

sieben mal hab ich hineingerufen

 

jetzt bist du verrückt geworden, sagst du 

hast die rosen geschnitten 

frost kommt

 

nichts kommt mehr, sage ich

schreibe:  schnee

 

 

III.

 

würden wir klagen, wer öffnete uns die tür

tausende jahre jagte man uns über den hof

man gab uns namen, rief uns zu kind zu stall

 

hierzulande treffen die steine nicht mehr

 

wir legten die tücher unserer mütter ab

und die sprache unserer väter

wir liefen

 

wir legten feuer, wir schürten es auf freiem feld

wir froren, wir forderten nichts 

menschenunmögliches

 

wir sind ein leeres blatt, wir drehen, wir wenden uns

unsere worte haben kein gewicht

wir trotzigen töchter

wir weinen nicht

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